Modellprojekt Gemeindeschwesterplus: Evaluationsbericht belegt Wirksamkeit des innovativen Unterstützungsprojekts

Das Angebot der Gemeindeschwesterplus hat sich in der Modellphase bewährt. Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt von der Universität zu Köln bei der Übergabe des Evaluationsberichts an Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

„Der Evaluationsbericht belegt, dass das präventive und gesundheitsfördernde Angebot durch die Gemeindeschwesterplus ein großer Gewinn für hochbetagte Seniorinnen und Senioren ist. Damit bestätigt er unsere guten Erfahrungen und auch die vielen positiven Rückmeldungen, die wir aus den Modellkommunen und vor allem von vielen älteren Menschen selbst erhalten“, so Bätzing-Lichtenthäler. „Dabei ist für mich ein ganz wesentlicher und zukunftsweisender Aspekt, dass die Gemeindeschwesterplus von den Menschen auch als eine Hilfe gegen Vereinsamung erlebt wird“, betonte die Ministerin.

Im Projekt Gemeindeschwesterplus besuchen ausgebildete Pflegekräfte hochbetagte Menschen, die selbstständig leben und wohnen und in ihrem aktuellen Lebensabschnitt keine Pflege brauchen. Seit Juli 2015 wird das Projekt in neun kommunalen Gebietskörperschaften in Rheinland-Pfalz als neues Angebot für sehr alte Menschen, die noch keine Pflege benötigen, erprobt. Es ist ein wichtiger Teil der Demografiestrategie der Landesregierung. Durch aufsuchende und präventive Beratung und Vernetzung mit vorhandenen Angeboten, wie zum Beispiel einem Seniorennachmittag der Gemeinde, einem gut erreichbaren Mittagstisch oder einem Hausnotruf sollen die hochbetagten Menschen konkret dabei unterstützt werden, ihre Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten.

Damit schafft Rheinland-Pfalz unter dem Aspekt des Kümmerns eine zentrale Voraussetzung, um Pflegebedürftigkeit durch gezielte Interventionen so lange wie möglich zu vermeiden und um über das umfassende Beratungs- und Versorgungssystem in Rheinland-Pfalz bei Pflegebedarf rechtzeitig und transparent zu informieren.

Der Evaluationsbericht zeigt, dass das Projekt Gemeindeschwesterplus bei den hochbetagten Menschen ankommt und ihre Eigenständigkeit und Lebensqualität stärken kann. Prof. Dr. Schulz-Nieswandt von der Universität zu Köln betonte die Bedeutung des Beratungs- und Vernetzungsansatzes. „Der Verlauf des Alterns ist weder ein unveränderliches Schicksal noch eine beliebige Biographiebastelei: Altern kann gestaltet werden. Ort der Gestaltung ist der kommunale Raum. Das Leben ist ein Wagnis. Dazu braucht der Mensch Mut. Aber er braucht auch soziale Unterstützung. Beratung, Orientierung, sorgende Netzwerke. Daraus erwächst dann auch Vertrauen in die soziale Umwelt und letztendlich Lebensqualität durch Selbstbestimmung und Teilhabe. Gemeindeschwesterplus ist ein gewichtiger Baustein auf dem Weg dorthin“, so sein Fazit.

Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) hat die Kommunen im Modellprojekt wissenschaftlich begleitet. Es bestätigt, dass sowohl die Kommunen als auch die Anbieter von Diensten und Unterstützungsangeboten über die Arbeit der Gemeindeschwesterplus wichtige Hinweise und Impulse erhalten. „Wir haben gemeinsam mit dem Land und den Akteurinnen und Akteuren in den Modellkommunen zeigen können, wie man sich erfolgreich auf den Weg machen kann zu einer präventiven, fördernden und unterstützenden Seniorenarbeit,“ sagte Prof. Dr. Frank Weidner, Direktor des DIP. Er kündigte an, aus diesen Erfahrungen heraus bis zum Ende der Projektlaufzeit praktische Empfehlungen zur Umsetzung von präventiven Hausbesuchen vorzulegen. 

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler versicherte, dass das Land sein Engagement in diesem Bereich auch fortsetzen und weiterentwickeln wird: „Vorbehaltlich der Haushaltsdebatten und der Entscheidung des Landtages, die im Herbst zu erwarten ist, haben wir für die Jahre 2019 und 2020 Finanzmittel eingeplant. Und ich werde auch mit den Spitzen der rheinland-pfälzischen Pflege- und Krankenkassen und Kommunen Gespräche führen.“ Ziel sei, die bestehenden Projektstellen fortzuführen und möglichst auch neue Modellkommunen in den Prozess aufzunehmen.

Auch auf der Bundesebene setzt sich Rheinland-Pfalz für eine flächendeckende Verstetigung des präventiven Hausbesuches über das im Koalitionsvertrag genannte Präventionsgesetz ein. „Dahinter steht unser rheinland-pfälzisches Modellprojekt“, erläuterte Bätzing-Lichtenthäler. „Ich gehe davon aus, dass es auf der Bundesebene gelingen wird, die Kassen mit ins Boot zu holen“, so die Ministerin. Die Gemeindeschwesterplus ist ein Modellprojekt der Landesregierung, das im Zeitraum von Juli 2015 bis Ende Dezember 2018 mit der Förderung des Landes an 13 Pflegestützpunkten mit insgesamt 18 Pflegefachkräften in den folgenden kommunalen Gebietskörperschaften umgesetzt wird:

In der Vorderpfalz der Landkreis Südliche Weinstraße in Kooperation mit der Stadt Landau,
für die Westpfalz der Landkreis Kaiserslautern in Kooperation mit der Stadt Kaiserslautern,
für die Region Mittelrhein die Stadt Koblenz,
für die Region Westerwald der Landkreis Neuwied,
für die Region Hunsrück der Landkreis Birkenfeld,
für die Region Eifel der Landkreis Bitburg-Prüm
und für die Region Rheinhessen der Landkreis Alzey-Worms.

Das Land übernimmt zu 100 Prozent die Personal-und Sachkosten der insgesamt 12,5 Stellen. In der Implementierungsphase von Juli 2015 bis Dezember 2016 wurden die ausgewählten kommunalen Gebietskörperschaften zudem wissenschaftlich eng begleitet. Mit wissenschaftlicher Begleitung und Evaluation sowie den Personal- und Sachkosten kostet das Modellprojekt insgesamt ca. 2,9 Mio. Euro.

Weitere Informationen
zum Projekt Gemeindeschwesterplus sowie den aktuellen Evaluationsbericht der Universität zu Köln und den Zwischenbericht der wissenschaftlichen Begleitung vom DIP finden Sie als Download auf der Projekthomepage unter www.gemeindeschwesterplus.rlp.de.